Ankunft in Melbourne
Also, angefangen hat alles mal in Melbourne. Früh um sechs sind wir (meine
Freundin und ich) noch total verschlafen auf dem Melbourner Flughafen gelandet.
Das Wetter war mäßig, sehr dunstig, fast wolkig und ohne wirkliche Sonne.
Trüb halt. Und die Leute um uns herum waren sooo blass. Richtig blass,
wie es wohl nur Australier (und Engländer) sein können. (Vielleicht sollte
ich noch kurz anfügen, dass wir direkt aus Mauritius, wo doch viele Schwarze
leben, eingereist sind.)
So, das war dann unser erster Eindruck von Australien.
Nicht besonders positiv. Aber natürlich kam es besser. So richtig gut kam es
allerdings erst viel später.
Melbourne ist sehr schön am Yarra-River gelegen, wo sich abends viele Ruderer
übten und an dessen Ufer sich die Möwen mit den Touris die besten
Plätze teilten. Nicht zu vergessen sind natürlich die vielen viktorianischen
Bauten, die der Stadt weiteres Flair verleihen. St. Kilda, also den "Strand"
von Melbourne, fand ich mit seinen vielen Lokalen und dem Hauch von Urlaub mitten in der
Stadt recht ansprechend. Für was St. Kilda auch bekannt ist, sind seine Konditoreien
mit dem entsprechenden Angebot. Der erste Biss schmeckt meist recht verführerisch,
ab dem zweiten beginnt dann jedoch der Kampf gegen das Zuviel an Süße,
Fett etc. Wahrscheinlich bin ich als Deutsche viel zu verwöhnt bzw. zu
heikel, wobei mir z. B. Baklava gut schmecken. (Allerdings ist auch davon ein
Stück genug.)
Von Melbourne aus wollten wir unbedingt die Great Ocean Road "besichtigen".
Ist ja nicht wirklich weit. Allerdings wollten wir es nicht mit so einer geführten
Tour machen, wie die anderen Touris, sondern auf eigene Faust. Wir stiegen also
in den Zug nach Geelong. Von dort versuchten wir nach Torquay, dem Beginn der
GOR (und dem Zentrum der Australischen Surfmode), zu trampen. (Waren nur 22 km.)
Tatsächlich hielt ein Auto und Rowie
nahm uns mit. Rowie war schon 'ne coole Type, wie sie da barfuß am Steuer
saß, sie wollte ja nur kurz eine Freundin in Lorne (ca. 140 km von Melbourne)
zum Kaffee besuchen, die Haare lang, aber der vordere Schädel recht kurz rasiert.
Total nett war sie auf jeden Fall! Und sie nahm uns gleich mit bis Lorne. Wir
kamen somit zu dem Vergnügen gute 30 km GOR! Wir waren etwas unschlüssig,
was wir weiter machen sollten, denn die tollen Küstenabschnitte, so mit
den 12 Aposteln oder der London Bridge, waren noch etwa 150 km entfernt. Und
es war schon fast Mittag. Rowie bot uns an, uns wieder zurück nach Melbourne
zu nehmen. Wir nahmen ohne groß nachzudenken an. Sie war ja so nett. Also
tummelten wir uns zwei Stunden am Strand (mit Bad im arschkalten Wasser), gingen
mit unserer Chauffeuse und ihren Freunden kurz einen Happen essen (echt schön
mit Blick aufs Meer) und fuhren dann mit ihr zurück nach Melbourne.
Rowie hat uns gleich über Nacht
zu sich eingeladen und wir sagten begeistert zu. Sie wollte am Abend mit ein paar Freunden
ein Theaterstück besuchen, wozu wir auch gleich bereit waren. Klar, warum nicht in
Australien ins Theater? Wir haben es bereut. Naja, eigentlich gehe ich ganz gerne ins Theater,
aber dieses Stück war schon verdammt abgefahren. Die Zuschauer saßen am oberen
Rand und schauten wie in einen Schuhkarton hinein und hinunter. Und dort unten? Es spielten
ein Gnom und zwei nackte Frauen. Gesprochen wurde nichts, nur Laute wurden ab und an
ausgestoßen. Und gewunden haben sich die Frauenkörper manchmal. Der Gnom hatte
ständig eine Maske auf und ist doof durch den Raum geirrt. Verstanden habe ich von dem
Stück überhaupt nichts! Keine Ahnung, ob Rowie das Stück gefiel; ich glaube
auch nicht so wirklich.
Am nächsten Morgen setzten wir uns in den Zug Richtung Norden.
Canberra war unser Ziel, da dort meine Cousine Petra wohnt. Über uninteressante Ebenen
gings erst mal nach Wodonga, an der Grenze zu NSW, wo wir den Zug gegen einen Bus tauschten.
Nach einem Stop bei Albury, dort konnten wir endlich mal eine halbe Stunde Sonne genießen,
kamen wir sicher in Canberra an.
Canberra und drum herum
Wie ausführlich soll ich denn das jetzt schildern? Also, bei meiner Cousine
ist es ja ganz nett, so die Wohngegend und die Stadt und die Leute und so. Meine
"zweiten" Kängurus sah ich sogar am Ortsrand der Hauptstadt.
Meine "ersten" Kängurus bekam ich in Küstennähe bei
Batemans Bay zu Gesicht. Sie hüpften mitten durch die Vorgärten der
Häuser. Und auf dem benachbarten Picknickplatz trafen wir sie in Scharen.
Wir trauten uns so nahe an die Tiere, dass wir sie streicheln konnten. Die Tiere
waren das gewohnt. (Wie erschreckend!)
Im Sommer verbringt meine Cousine mit ihrer Familie
viele Wochenenden in Batemans Bay, und so machten wir es nach. Wir verbrachten also alle
miteinander zwei wunderschöne Tage am Meer. Während sich die anderen am Strand
tummelten, gingen Thommy (Petras Mann) und ich zum diven. Shark dive. Thommy hatte mir schon
viel davon erzählt und so wollte ich auch unbedingt zu den Haien runter. Ein paar Auflagen
waren natürlich schon dabei und so war es uns nur maximal zwanzig Minuten aus entsprechender
Entfernung gestattet, dem Treiben der majestätischen Tiere zuzuschauen. Es waren vielleicht
zwanzig Grey Nurse Sharks, die sich vor unseren Augen um ihre Jungen bemühten. Zwischen einem
und drei Meter hätte ich die Haie geschätzt. Ein paar waren etwas neugieriger und
näherten sich der Gruppe Taucher, einer umschwamm uns sogar, aber nur ein kleiner.
Während ich noch in Deutschland weilte, hatte meine Cousine für mich
ein Auto besorgt. Mit dem machten wir als Tauglichkeitstest einen kleinen Trip
in die Umgebung. Südöstlich von Canberra liegt der Wadbilliga National
Park. Die Tuross Falls sind während der Ferien und Sommerwochenenden ein
beliebtes Ausflugsziel der Australier. Im Herbst und mitten unter der Woche
waren wir dort allein. Die einstündige Wanderung durch den stark duftenden
Eukalyptuswald bis zum Lookout, an dem man die Wasserfälle besonders gut sehen kann,
war unglaublich schön. Ich bin danach nie wieder durch einen so intensiv durftenden
Wald gewandert. Im oberen Verlauf der Tuross Falls, in den Kaskaden, lässt
es sich wunderbar ein Bad nehmen. Vor allem, wenn man der einzige Badegast ist.
Traumhaft!
Unsere
weitere Reise setzten wir nun mit dem Auto fort. Nach schwerem Abschied war
unser nächstes Ziel (natürlich) Sydney.
Sydney
Wir brennten darauf, die Opera und die Harbour Bridge zu sehen. Gleich nachdem
wir im Rucksack Rest, einer Backbacker-Unterkunft in einem stilvollen alten
Haus mit eigenbrödlerischem und total nettem Wirt in Potts Point, eingecheckt
hatten, gings los Richtung Botanischen Garten. Am nördlichen Ende der Macquarie's
Road, am Meer, hat man bei schönem Wetter einen wunderwunderschönen
Blick auf die Opera und die Bridge. Bei schönem Wetter wohlgemerkt! Wir
hatten die dreieinhalb Tage Sydney natürlich einen wolkenverhangenen grauen
(!) Himmel. Und so eine hellgraue Opera und mittelgraue Harbour Bridge heben
sich wunderbar gegen einen hellgrauen Himmel ab! Schade, unsere Fotos sind eigentlich
zum Wegschmeißen!
Bei so einem Wetter sparten wir uns letztendlich auch dem AMP-Tower,
von dem man normalerweise eine klasse Sicht auf die Stadt genießen kann. The Rocks, das
älteste Viertel Sydneys besichtigten wir bei Regen. Macht nicht wirklich Spaß. Am
Darling Harbour, wo sich das Leben draußen in einem der vielen Cafès oder einfach nur am
Kai abspielt, wurden wir von einem Regenschauer überrascht. Zum Glück war es ins
Aquarium, wohin wir unterwegs waren, nicht mehr weit. Trotz des hohen Eintrittspreises ist
das Sydney Aquarium absolut sehenswert. Dort konnte ich dann die gleichen Grey Nurse Sharks
betrachten wie zuvor in Batemans Bay. Und dort konnte ich sie auch meiner Freundin zeigen:
Schau mal, zu so großen Haien sind wir getaucht!
Natürlich haben wir noch einiges
mehr in Sydney angestellt. Alles zu beschreiben, würde jedoch den Rahmen sprengen.
Carmina Burana darf ich jedoch auf keinen Fall vergessen! Da hatten wir nämlich mehr
als Dusel! Gleich am ersten Tag informierten wir uns in der Opera, ob es noch für
irgendeine Vorstellung die nächsten drei Tage eine Karte gäbe. Natürlich
nicht! Wir wollten aber unbedingt in die Opera. Schließlich sind wir ja nicht alle
Tage in Sydney! Wir versuchten es also am Abend vor der ausverkauften Vorstellung und siehe
da, ein paar Leutchen wollten doch tatsächlich ihre Karten loswerden. Erst bekamen wir
nur eine zu einem echt fairen Preis. Wir dachten schon, wir müssten uns die Vorstellung
teilen, da schenkte uns die Mutter einer Chorsängerin die zweite. Und nach der
Wahnsinnsaufführung fuhr uns die gute Frau sogar noch zu unserer Unterkunft. Das war
vielleicht ein gelungener Abend!
Nachdem wir zwei Tage bei (Niesel-)Regen durch die
Stadt spaziert sind, wollten wir natürlich auch die Strände um Sydney anschauen.
Unser Herbergsvater hat uns mit tollen weißen Sandstränden den Mund wässrig
gemacht. Da mussten wir hin! Die Strände sollten ganz oben im Norden, bei Palm Beach,
sein. Einen ganzen Tag opferten wir für diesen Ausflug. In Palm Beach angekommen suchten
wir verzweifelt nach weißem Sand. Erfolglos. Wir waren schon fast am Barrenjoey Head,
höher gings nicht mehr, und der Sand war immer noch gelb. Die Strände waren ja
ganz in Ordnung, aber unter weißen Stränden stelle ich mir etwas anderes vor.
Naja, aber diese Strände waren schon gemeint. Helleren Sand gab es hier nirgends.
Auf dem Rückweg machten wir noch Halt in Manly. Manly erinnert mit seinen
netten Cafés in der Fußgängerzone eher an einen Kurort für
ältere Semester. Dennoch: Es hat Flair, auch für die Jüngeren!
In der Fußgängerzone waren viele Buden, die Handarbeiten, vor allem
Bilder feilboten. Und alles war natürlich mit Visa bezahlbar. Schade, dass
dicke graue Wolken am Himmel waren, die dem Ort eine etwas bedrohliche Stimmung
gaben. Aber wie gesagt, Manly ist schön.
Also, in
Manly trafen wir Tine. Tine ist Backpacker und suchte eine Mitfahrgelegenheit gen Norden.
Wir einigten uns auf Cairns. Am nächsten Morgen wollten wir los und Tine war mit dabei.
Nachdem wir unseren Abstecher zum Bondi Beach wegen Regen gestrichen hatten, holten wir sie
in Manly ab und los ging es.
up bis Byron Bay
Da vor ein paar Tagen im Norden ein Zyklon sein Unwesen getrieben hatte, und folglich
der Pacific Highway stellenweise überflutet war, mussten wir wohl oder
übel den New England Highway etwas abseits der Küste nach Norden wählen.
Die Strecke war eher öde, mal mehr, mal weniger bewaldet, aber uninteressant.
Bis Tenterfield hielten wir uns auf dieser Route, dann wollten wir wieder Richtung
Meer. Die größten Überschwemmungen mussten wohl um Coffs Harbour
gewesen sein, Ballina und Byron Bay hieß es, sind problemlos erreichbar.
Von Tenterfield bis Lismore änderte sich die Vegetation. Es war viel Wald,
aber der Wald wurde von Kilometer zu Kilometer südeuropäischer. Wenn
man sich um Tenterfield noch mit trockenem Eukalyptuswald begnügen musste,
so war um und vor allem nach Lismore (vielleicht bis Alstonville) fast tropische,
südeuropäische Vegetation: Palmen... Das Klima war auch wärmer
und feuchter. Ballina (am Pazifik) erreichten wir ohne Probleme. Über Lennox
ead fuhren wir die Küstenstraße nach Byron Bay. Außer Villen
bekamen wir auch herrlich einsame Strände zu sehen.
Byron Bay war klasse! (Fortsetzung folgt)